Qualitätsstandard Patientenverfügung

Neuer Qualitätsstandard für eine PatientenverfügungPatientenverfügungen zählen zu den wichtigsten Vollmachten überhaupt, mit den eine andere Person über ärztliche Eingriffe und andere Heilmaßnahmen entscheiden kann. Bei der hohen Verantwortung, die über diese Verfügungen einem Dritten übergeben wird, ist die strikte Einhaltung rechtlicher Grundlagen unverzichtbar. Seit Mitte Juli 2017 gilt erstmals in Deutschland ein verbindlicher Qualitätsstandard, wenn es um das Aufsetzen der Patientenverfügung geht. Für die Wirksamkeit der Verfügung ist es deshalb allen Betroffenen anzuraten, die bestehende Vereinbarung zu überprüfen und eventuell an den neuen Qualitätsstandard anzupassen.

Weshalb die Einführung des Qualitätsstandards für die Patientenverfügung notwendig wurde

Geschaffen wurde der neue Standard vom Bundesverband der Sachverständigen für das Versicherungswesen in Deutschland. Die Neuformulierung vom 18. Juli 2017 fasst alle wichtigen Aspekte formal zusammen, die in eine Patientenverfügung hineingehören und soll allen beteiligten Seiten Sicherheit geben. Hierbei ging es vor allem um die medizinischen Anforderungen, die das Dokument zu erfüllen hat und beispielsweise von Ärzten in einer Notfallsituation sofort zu überblicken sind. Auch aus diesem Grund sieht der neue Qualitätsstandard vor, dass die Verfügung online bereitsteht und so ortsunabhängig von Ärzten abgerufen werden kann.

Mit der Einführung des Standards löst der Bundesverband ein jahrelanges Problem, das sich durch die Vielzahl von Anbietern und Dienstleistern in Deutschland bei der Erstellung einer Patientenverfügung ergab. Auch Entscheidungen des Bundesgerichtshofes über formale und inhaltliche Aspekte wurden durch den neuen Qualitätsstandard umgesetzt. Nach einer ersten Analyse entsprechender Dienstleister soll lediglich der ärztliche Onlinedienst DIPAT alle Anforderungen an eine Patientenverfügung erfüllen, wie Sie durch die Neuformulierung des Standards eingefordert werden. Andere Anbieter dürften in Kürze nachziehen, damit nicht im Extremfall eine Patientenverfügung in Notsituationen als ungültig erklärt werden muss. Wesentliche Merkmale für die Gültigkeit ist die ärztliche Erstellung, die Verfügbarkeit online und eine regelmäßige Überprüfung der Aktualität.

Welche Folgen der Standard für Patienten hat

Bislang gab es kaum Kontrollen von Dienstleistern, die Patienten in Deutschland ihre Hilfe bei der Erstellung der Patientenverfügung anboten. Viele Bürger haben es sich außerdem einfach gemacht und eine entsprechende Verfügung online als Formular heruntergeladen. Hier darf bezweifelt werden, dass diese im Notfall tatsächlich von einem Arzt akzeptiert würde. Besonders bitter ist es, wenn Patienten für die Erstellung einer Patientenverfügung eines Dienstleisters Geld bezahlt haben, obwohl die Verfügung gar nicht den rechtlichen Anforderungen entspricht. Umso wichtiger ist es, auf Seriösität des Anbieters bei der Erstellung zu achten und gezielt nachzufragen, ob dieser mit dem neuen Qualitätsstandard vertraut ist.

Eine bislang bestehende Patientenverfügung muss durch die Neuregelung nicht zwingend ungültig werden. Wurde diese seriös und von ärztlicher Seite aus vor der Einführung des Qualitätsstandards erstellt, dürfte diese je nach Situation weiterhin akzeptiert werden. Um absolute Sicherheit zu erhalten, ist eine Überprüfung der bestehenden Verfügung jedoch anzuraten. Nur hierdurch wird klar, ob diese tatsächlich dem aktuellen Standard genügt und somit allen Beteiligten Rechtssicherheit garantiert. Gerade bei der Verfügbarkeit über das Internet besteht in den meisten Fällen Nachholbedarf, so dass im Zuge dessen eine Neuformulierung und Anpassung sinnvoll sein kann.

Das offene Gespräch mit Ärzten und Dienstleistern suchen

Wie bei jeder Art von Vollmacht möchten sämtliche Seiten Gewissheit haben, dass diese ihren ursprünglich beabsichtigten Effekt erfüllt. Wer durch die Neueinführung des Qualitätsstandards unsicher ist, sollte sich mit dem behandelnden Arzt in Verbindung setzen. Dieser wird zeitnah über die Erneuerung informiert sein und kann überprüfen, ob die bereits ausgestellte Patientenverfügung den neuen Rahmenbedingungen entspricht. Gleiches gilt für die Zusammenarbeit mit Dienstleistern, die Ihnen die Erstellung der Verfügung erleichtern. Sprechen Sie diese aktiv an, ob die bisherige Patientenverfügung dem neusten Standard genügt oder nach diesem erstmals erstellt wird. Da die Neuformulierung sehr aktuell ist, werden viele Branchenangehörige diese noch nicht vollständig umgesetzt haben. Eine Tatsache, die nicht zu Lasten von Patienten und ihren Angehörigen gehen sollte!