Generalvollmacht für Immobilien

Generalvollmacht für Immobilien - handschriftliche Vollmacht reicht nichtEinen vertrauten Menschen mit einer Vollmacht auszustatten, ist in vielen Lebensbereichen möglich. Gerade wenn es um die Verwaltung oder Betreuung von Wertobjekten wie Immobilien geht, gelten seitens des Gesetzgebers strikte Anforderungen. Dies wurde in einem aktuellen Fall noch einmal bestätigt, der die offizielle Bevollmächtigung für den Verkauf von Immobilien anstelle des eigenhändigen Aufsetzens eines entsprechenden Schreibens als notwendig angab. Einfach mit einem handschriftlichen Dokument andere Menschen mit einer Vollmacht auszustatten, ist somit nicht immer möglich und kann im schlimmsten Fall zu rechtlichen und familiären Problemen führen.

Der konkrete Streitfall im Überblick

Das Thema wurde in einem aktuellen Beispiel aufgegriffen, das medial beispielsweise vom General-Anzeiger Bonn dargestellt wurde. Konkret ging es um die Heimunterbringung einer schwer dementen Rentnerin, die bislang in einem eigenen Haus lebte. Um die Kosten der Pflege dauerhaft tragen zu können, strebte die Tochter der Demenzkranken sowie ihr Ehemann einen Verkauf der Immobilie an. Zu diesem Verkauf sahen sich die beiden befähigt, da die Mutter noch vor Zeiten der fortgeschrittenen Demenzerkrankung eine Generalvollmacht für den Notfall erstellt hatte.

Das Problem hierbei: Die Vollmacht wurde nicht bei einem Notar hinterlegt oder in einer entsprechenden Weise beglaubigt. Stattdessen kam es lediglich zur Erstellung eines handschriftlichen Dokuments, dass seitens der Mutter unterschrieben wurde. Der Verkauf des Hauses durch die Tochter und ihren Ehemann ist auf Basis dieses Dokuments nicht möglich. Grund hierfür ist, dass rechtlich nicht adäquat vorgesorgt wurde, alleine die bei einem Notar hinterlegte Generalvollmacht würde in dieser Situation zu einem Verkauf des Hauses berechtigen.

Notarielle Beglaubigung bei verschiedenen Vollmachten unverzichtbar

Eine Vollmacht kann nicht pauschal als Dokument betrachtet werden, dass nie bzw. immer durch einen Notar zu bestätigen ist. Gerade für alltägliche Rechtsgeschäfte wäre es zu umständlich, jegliche Vollmacht seitens eines Notars bestätigen zu lassen bzw. diese hier zu hinterlegen. Wer beispielsweise den Ehepartner mit einer Vollmacht für das Abholen eines Ausweises oder die Ummeldung eines KFZ ausstatten will, kann dies mit einer eigenen einfachen Vollmacht tun. Alleine aus Kostengründen wäre es kaum vertretbar, dies notariell abzuwickeln.

Anders sieht dies aus, wenn die Vollmacht über einen längeren Zeitraum ihre Gültigkeit behalten soll und sich nicht auf einen einmaligen Geschäftsakt bezieht. Dies gilt gerade bei Immobiliengeschäften, bei denen der Verkauf eines Objektes möglicherweise erst in Monaten oder Jahren geplant ist. Aufgrund des langen Zeitraumes ist eine Meinungsänderung denkbar, so dass es schnell zu widersprüchlichen Dokumenten kommen könnte. Außerdem spielt der hohe Sachwert eine Rolle, Immobilien zählen gerade im Privatbereich zu den höchsten Sachwerten überhaupt. Deshalb ist hier eine beglaubigte Generalvollmacht notwendig.

Rechtlich ist außerdem zwischen der Beglaubigung des Inhalts und der Unterschrift zu unterschreiben. Die inhaltliche Gestaltung eines Dokuments muss nicht explizit durch den Notar begleitet werden, in diesem Fall wird alleine von der notariellen Beglaubigung gesprochen. Die höhere Variante hiervon ist die Beurkundung, bei der seitens des Notars eine inhaltliche Ausarbeitung und Bestätigung stattfindet. Dies wird interessant, wenn es zu rechtlichen Streitigkeiten kommt, beispielsweise zwischen dem Bevollmächtigenden und der bevollmächtigten Seite. Alleine bei einer vorliegenden Beurkundung muss sich der Notar für die inhaltliche Ebene des vorliegenden Dokuments verantworten.

Rechtzeitig Termin mit einem Notar anstreben

Während die notwendige Beglaubigung durch den Notar bei Immobiliengeschäften offensichtlich ist, wird es bei anderen Rechtsgeschäften und Lebensbereichen nicht so eindeutig sein. Bevor selbst eine Vollmacht erstellt wird, die keine rechtliche Bedeutung hat, sollte das Gespräch mit einem Notar gesucht werden. Dieser kann schnell abschätzen, ob eine notarielle Beglaubigung oder Beurkundung notwendig wird oder die Erstellung eines einfachen Schriftstückes reicht. Durch die unabhängige Beratung müssen Sie nicht fürchten, dass der Notar seine eigenen Dienste selbst selbst bewirbt. Die Kosten für das Hinzuziehen eines Notars sind abhängig vom jeweiligen Objektwert gestaltet und daher fair.